Ich habe keine Angst vor Ihnen, Herr Trump!

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Wir leben heute in Zeiten, in denen ein Pilot während des Fluges ausfällt und durch jemanden ersetzt wird, von dem jeder weiß, dass er bisher nur Bus gefahren ist. Er hat aber am lautesten geschrien, er könne es am Besten und alle ausgebildeten Piloten würden sie eh nicht zum Ziel bringen. Auf dem Weg zum Cockpit hat er noch ein paar Mexikaner beleidigt. Sie sollen demnächst nicht mehr mitfliegen und zu Hause bleiben. Ein Stück weiter ist er mit Absicht einigen Andersgläubige auf die Füße getreten, dabei gestolpert und auf eine Frau gefallen, die er unsittlich mit der Hand berührte. Währenddessen wurde ihm in den hinteren Reihen, in der Holzklasse nur begeistert zugejubelt. Endlich jemand, der die Stewardess mit den Schnappswagen auch zu ihnen schicken würde. Jetzt sitzt er hinterm Steuer und fast alle halten gebannt die Luft an und hoffen, dass er den Vogel unbeschadet landet. 

Klingt alles etwas unvernünftig oder? Aber Vernunft scheint im Moment keine wichtige Option zu sein. Stimmungen und Emotionen scheinen  stattdessen eine bedeutendere Rolle spielen. Die Stimmung, die mit dem Slogan“Let´s Make America Great Again“ verbunden war, hat große Teile eines Landes erobert. Amerika machte nämlich tatsächlich wieder Groß und wählte Trump zum US-Präsidenten. Und plötzlich rückt dieser Mann ins Zentrum unserer Wahrnehmung. Da, wo ihn kaum jemand erwartet hatte oder gar wollte. Der Mann, von dem vor dem Wahlkampf wahrscheinlich nur die Frisur und der enorme Reichtum bekannt war, bestimmt auf einmal das politische Weltgeschehen und die täglichen Schlagzeilen.

Ruhe bewahren heißt es von vielen Seiten. Vielleicht wird er sein Amt viel gemäßigter ausführen, als er seinen Wahlkampf geführt hat. Da soll natürlich Hoffnung machen, auf ein entspanntes Verhältnis mit der USA. Aber selbst wenn er sich um 80% mäßigen sollte, sind immer noch 20% Unberechenbarkeit da, die gepaart mit seinem sexistischen, intoleranten und oberflächlichen Weltbild eine ziemlich explosive Mischung darstellen, die einen beunruhigen lassen.

Aber vielleicht sollte man nicht nur fassungslos auf das Geschehen über den großen Teich  starren, sondern sich mit der Tatsache befassen, dass ein Trump zur Entwicklung unserer Gesellschaft dazu gehört. Man konnte ihn scheinbar nicht verhindern. Selbst die Medien, die ihn als unwählbar darstellten, haben es nicht geschafft. Er konnte seine Klientel trotzdem erreichen und vergrößern. Anscheinend konnte er ein Bewusstsein ansprechen, welches bei vielen Amerikanern, vorwiegend bei den sogenannten Abgehängten, vorherrschte. Sie unterstützten seine Behauptungen, dass die Schuld an jeder Misere im Land der etablierten Politik, der Zuwanderung und der Globalisierung zu zuschreiben sei. Hierfür hat es gereicht eine plumpe Rhetorik zu bedienen, postfaktische Wahrheiten zu verbreiten und ganz einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben. Hauptsache, er spricht anders als der politisch korrekte Profi. Hierbei wird scheinbar toleriert, dass er Minderheiten diskriminiert, Unwahrheiten erzählt und seine politischen Gegner ordentlich verunglimpft. Er ist halt ein ganz eigener Typ.

Zu Recht reagiert die Mehrheit der Beobachter schockiert, wenn sie sich diesen Wahlsieg vor Augen führen. Aber vielleicht war ja dieser Schock nötig, um nochmal neu über Werte zu diskutieren. Vielleicht müssen wir in unserer Entwicklung einen Schritt zurück machen, um uns über die bis hierhin erreichten Fortschritte wieder bewusst zu werden. Vielleicht haben wir sie bis jetzt nicht genug wertgeschätzt und merken jetzt, wo sie auf der Kippe stehen, wie wichtig sie sind. Eventuell haben wir es für zu selbstverständlich genommen, dass sich Politiker an Tabus halten und respektvoll gegenüber dem Einzelnen sind. Haben vielleicht zu sehr darauf vertraut, dass Menschen zu aufgeklärt sind als das sie rechte Parolen wieder salonfähig machen, dass Meinungen über Dinge nicht genau so bedeutend sind wie Fakten. Bis jetzt ging ja alles gut. Man konnte sich darauf verlassen, dass sich  alles um einen herum von selbst reguliert. Dass die wichtigen Dinge von vernünftigen Menschen gesteuert würden. Aber plötzlich ist kein Verlass mehr darauf .Die Stimmen, die die bestehende Ordnung und Gewohnheiten in Frage stellen werden immer lauter. Sie sind bereit, jemanden politische Macht zu geben, der kräftig an unser Gerüst von richtig und falsch rütteln möchte. Jetzt ist auf einmal unserer Aufmerksamkeit gefragt. Damit gilt es sich jetzt auseinander zu setzten.

 

Und das tun wir. Natürlich ist es ein menschlicher Reflex, sich auf jede Schlagzeile zu stürzen, die Trump produziert und darüber empört zu sein. Aber auf Dauer kann das ja kein nüchterner Mensch ertragen, so viele wie er in kurzer Zeit von ihm berichtet wird. Daher habe ich für mich persönlich beschlossen, seine Präsidentschaft im Kontext zu bewerten und vielleicht Hoffnung aus bestimmten Tatsachen zu schöpfen. Diese mache ich an 3 Punkten fest:

1.   Er wird kein Alleinherrscher sein

Auch wenn sich Trump gerne selbst überhöht als den besten und cleversten Mann für den Job, wird er nicht im Alleingang regieren können. Die Mechanismen der parlamentarischen Demokratie gelten auch für ihn. Dass heißt jeder Gesetzesentwurf muss vom Kongress geprüft und genehmigt werden. Der oberste Gerichtshof wacht darüber, ob alles auch verfassungskonform bleibt.

Er scheint viel Bewunderung dafür zu ernten, dass er so schnell seine Wahlversprechen umsetzen will, in dem er fast stündlich ein neues Dekret erlässt. Hierbei stellt sich die Frage, wie durchdacht diese exicutive orders sind, wenn sie in diesem Eiltempo erstellt werden. Wie lange wurden sie denn vorher besprochen und inwieweit wurden die Auswirkungen berücksichtigt? Stellt man Schwachpunkte fest oder das Übergehen von Zuständigkeiten oder die Unvereinbarkeit mit der Verfassung, können Gerichte diesen Dekreten widersprechen. Das würde nicht unbedingt zur Stärkung einer Präsidentschaft beitragen. Er trägt auch selber nicht zu seiner Stärkung bei, indem er sich wenig staatsmännisch gibt und sehr dünnhäutig auf Kritik reagiert. Es ist unübersehbar, dass er ein großer Narzisst ist. Vielleicht liegt darin auch eine Chance. Könnte man ihm nicht zu einem vernünftigeren Verhalten verhelfen, wenn man lang genug sein Ego streichelt?

Die Größte Ungewissheit liegt aber in seiner Unerfahrenheit. Macht ihm das andererseits vielleicht lernfähig? Könnte das Auffüllen seiner teils riesigen Wissenslücken und ein paar Politik-Nachhilfestunden durch sein Umfeld ihn zu einem besonnenen Präsidenten machen?  Leider hat er sich sein Umfeld selber zusammengestellt mit dem Blick darauf, dass es seine Ansichten teilt. Aber auch da sind Auseinandersetzungen und eventuelle Lernprozesse nicht auszuschließen.

2.  Wir werden alle wachsam sein

Wie schon gesagt, sind die Medien da, wo Trump ist. Und jetzt wo er in so großer Verantwortung steht, mehr denn je. Man wird jeden seiner Schritte verfolgen und bewerten. Am Tag seines Amtsantritts sind Millionen von Menschen auf die Straße gegangen um gegen ihn zu protestieren. Sie haben ein Zeichen gesetzt, für mehr Frauenrechte, Gleichberechtigung und Toleranz. Das zeigt, dass nicht alle still stehen und ohnmächtig zuschauen werden, wenn er versucht Mauern hochzuziehen, Menschen beleidigt, Folter genehmigt oder die Gesellschaft spaltet. Die breite Öffentlichkeit wird ihm immer kritisch über die Schulter schauen. Die Presse, die seine Entscheidungen und Vorhaben hinterfragt und auf  Richtigkeit und Sinn überprüft, lässt auch den Druck auf ihn steigen. Scheinbar kann er damit nicht souverän umgehen und äußert lautstark wie falsch sie sei. Er droht sogar mit der Ankündigung diese einzuschränken. Das sollte ihn aber nicht mehr Freunde bei den Medien bescheren sondern könnte eher dazu führen, dass sie noch strenger mit ihm umgehen.

Sicher ist jedoch, dass die Meinungsfreiheit, die er nutzt, um seine alternativen Fakten in die Welt zu setzen, von vielen Bürgern dazu genutzt wird, um gegen ihn zu protestieren. Die Demokratie die ihm einerseits in sein Amt verholfen hat, verhilft anderen Menschen dazu, sich gegen ihn zu positionieren. Es ist als ein gutes Zeichen zu werten, wenn Menschen Widerstand leisten und ihre Meinung kundtun. Wir erleben dort ein Aufleben der politischen Kultur, wie sie es nur selten gab in der amerikanischen Geschichte. Das muss er aushalten können. Und die Welt schaut zu, wie er es tut.

3. Gemeinsam ist besser als einsam

„America First“ soll das Leitmotiv des US- Präsidenten sein. Er will sich zurück ziehen auf inneramerikanische Interessen. Von internationale Bündnisse wie Nato und EU hält er herzlich wenig. Es ist ja erstmal nichts verwerfliches daran, sich um das Wohlergehen des eigenen Landes zu kümmern. Den Menschen, die tatsächlich in prekären Verhältnissen leben und  viel Hoffnung in Trump setzen, kann man nur wünschen, dass sich ihre Situation verbessert. Aber muss man dafür auf Welthandel verzichten und bestehende Bündnisse zerschlagen? Man kann doch die Globalisierung auch zu den sogenannten Abgehängten bringen ohne sie verteufeln zu müssen. Indem man die Menschen teilhaben lässt, Infrastruktur schafft und Jobmöglichkeiten, die einen Austausch mit dem Rest der Welt ermöglichen. Aber Trump scheint den Nationalstaat wieder in den Vordergrund stellen zu wollen. Nichts umsonst feiert er den Brexit als großen Erfolg.

Wäre jetzt nicht genau der richtige Zeitpunkt, um ein Gegengewicht zu Trumps Alleingang zu schaffen? Sollte sich die EU nicht auf ihre eigenen Stärken konzentrieren anstatt sich nur auf die USA als Partner zu verlassen? Natürlich kriselt sie zur Zeit mehr denn je. Aber gerade jetzt muss sie mehr für ihren Erhalt tun. Wenn viele Länder ihre Kräfte bündeln, können sie deutlich größeres schaffen als der Nationalstaat allein. Zum Beispiel in der Wirtschaft, in der Sicherheitspolitik und vor allem was die Hervorhebung der gemeinsamen Werte angeht. Es klingt irgendwie pathetisch aber war es nicht immer der Sinn gemeinsam voneinander zu lernen und zu wachsen. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, was einen trennt, wollte man den Fokus darauf legen, was einen verbindet. Jetzt wäre es langsam soweit.

Letztlich ist immer noch die Hoffnung da, dass es keinen großen Umsturz geben wird. Solange wir noch nicht abgestumpft sind und uns auffällt, dass das ein Irrsinn ist, der gerade passiert, solange sind wir bereit aufmerksam hinzukucken und uns dagegen zu stellen. Eventuell ist das der größte positive Nebeneffekt dieser Präsidentschaft. Sie hat unsere Sinne geschärft, für die Prinzipien, auf die wir mehrheitlich nicht verzichten wollen.

 

2 Antworten auf „Ich habe keine Angst vor Ihnen, Herr Trump!

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