„Black Mirror“ ist fast wie Kino

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Quelle: http://tvline.com/tag/black-mirror/

Man stelle sich eine Welt vor, in der jeder Mensch seine Erinnerungen auf ein Implantat im Kopf  als Video speichern und immer abspielen kann. Alles was  man je wahrgenommen hat ist digital verfügbar. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für andere. Beim Vorstellungsgespräch will der Arbeitgeber die letzten Jahre einsehen, beim Einsteigen ins Flugzeug muss man ebenso einen Einblick in sein digitales Gedächtnis gewähren, um so beispielsweise Terroristen zu entlarven. Verdächtigt ein Mann seine Ehefrau des Fremdgehens, kann er als Beweis das Abspielen ihrer Erinnerungen fordern.

Diese Welt macht die Menschen transparent. Das Private muss nicht mehr privat bleiben. Alles, was getan gesagt oder gesehen wurde ist einsehbar. Ist das Segen oder Fluch? Oder beides? Diese Thematik wird nur in einer Folge der britischen Serie Black Mirror  behandelt. Die Serie hat nicht einen einzelnen Handlungsstrang, sondern erzählt in jeder Folge eine in sich abgeschlossen Geschichte. Das Element, welches alle Folgen miteinander verbindet ist der technologische Fortschritt. Wie beeinflusst die digitale Welt den Menschen und umgekehrt? Hierbei zieht Black Mirror Parallelen zu real existierenden Gesellschaft. Unser heutiges Verhalten mit den Medien wird in den einzelnen Szenarien überspitzt und manchmal ad absurdum geführt. Was wäre wenn, man Tote digital ins Leben zurück holen könnte, indem man durch  ihre Spuren, die sie während ihrer Lebzeiten im Netz hinterlassen haben ihre Persönlichkeit als künstliche Intelligenz rekonstruiert. Ein Trost für die Hinterbliebenen ? Was wäre wenn unser Bedürfnis nach immer realistischeren Games dazu führt, dass wir Horrorgames nur in unseren Köpfen spielen könnten? Was wäre wenn es eine Welt gäbe, in der Menschen nur anhand ihrer Likes einen bestimmten gesellschaftlichen Status hätten. Unser Bewertungsverhalten auf Facebook, Ebay  etc. übertragen auf das reale Leben, würde Menschen der 3, 4 oder 5 Sterne Kategorie schaffen. „Das gibt es doch schon“, würde der eine oder andere Kritiker der Klassengesellschaft behaupten…in der Serie allerdings soll es nur eine Zukunftvision sein. Die Visionen sind hier manchmal düster, skurril oder gar praktisch. Der Zuschauer hat einen eigenen Spielraum für Interpretation.

Fazit:

Positiv: Für mich ist Black Mirror eine sehr faszinierende Serie. Jede Folge erzählt ihre eigene Geschichte und hat ihre eigenen Besonderheiten. Filmisch ist sie gut inszeniert und die Darsteller sind weitesgehend sehr überzeugend. Man möchte mit den Figuren mitgehen und die Handlung schafft es Spannung aufzubauen.Das Erzähltempo ist genau richtig, da die Folgen meist zwischen 45 und 70 Minuten lang sind hat man die Zeit die Charaktere kennen zu lernen und die Handlung ohne Langeweile zu mitzuerleben.

Negativ: Die Serie hat auch ihre Mankos. Da die Darsteller und der Regisseur von Geschichte zur Geschichte wechseln hat nicht jede Folge das selbe Niveau. Auch das Ende vieler Stories hält nicht das, was der Anfang verspricht. Oftmals gibt es kein happy end. Es endet aber auch nicht immer tragisch. Es endet meistens irgendwie und hinterlässt den Zuschauer hier und da etwas unbefriedigt zurück.

Insgesamt ist Black Mirror aber absolut sehenswert. Die Grundthematik ist meist interessant und die Geschichten der Protagonisten wirken authentisch. Zudem regt die Serie dazu an, über mögliche Auswirken der neuen Medien nachzudenken, wenn man will. Manchmal muss man, auch wenn man es nicht vorhat. Da es immer Bezüge zu unserem medialen Verhalten gibt, unsere Abhängigkeit zeigt, die Gefahr und die großen Möglichkeiten. Die Serie ist surreal aber trotzdem irgendwie authentisch.

Zurecht hat sich auch Robert Downey Jr. die Verfilmungsrechte für die am Anfang geschilderte Folge „The Entire History of You“ gesichert, um eine Hollywood-Remake zu schaffen. Demnach ergibt meine steile These im Titel dieses Beitrags, Black Mirror sei wie Kino auch Sinn.

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